Bericht Paraguay 2005


Hier der Reisebericht meiner

Erkundungsfahrt nach Paraguay

vom März/April 2005


“... ich hatte euch ja zugesagt, ein wenig zu erzählen wie es mir so ergangen ist bei der auskundschaftung neuer reiseideen.     (Bericht vom 5.04.05)

alsdann:

nach der abreise der zweiten patagonien-gruppe wandte ich mich nach norden in einem nachtbus, der in d-land seinesgleichen sucht:   breite bequeme sessel, die man bis in die waagerechte runterklappen kann. mit solchen bussen kann man gut die ganze nacht durchfahren...

so besuchte ich kurz die esteros de ibará, einem sumpfgebiet im norden argentiniens, wo man gut yacarés (kaimane) beobachten kann.

bald wandte ich mich weiter nach norden, da mich Paraguay sehr interessierte.

paraguay ist ein recht rückständiges binnenland, weitgehend flach wie ein tisch, heiß und weitgehend mit einer trockenen dornbuschsteppe bewachsen.

hört sich nicht so richtig sexy an, nicht wahr?

und doch hat mich dieses land umso mehr fasziniert, desto länger ich dort war.

das land wird geteilt vom río paraguay in einen kleineren ost- und einen größeren westteil.

im ostteil leben 97% der einheimischen, im doppelt so großen westteil entsprechend 3%.

der osten ist relativ entwickelt, allerdings weitgehend agrarland. die städtchen sind allesamt klein und verschlafen, atmen koloniales flair.

die menschen sind ausnehmend nett und aufgeschlossen.

die einheimischen sind indianer und mestizen, in diesem fall übrigens auffallend schöne menschen.   sie sprechen untereinander alle durchweg die indianersprache guaraní, aber nach außen immer spanisch, sofern sie es können.

es gibt erstaunlich viele deutsche kolonien, in denen auf der straße und im supermarkt so deutsch gesprochen wird wie in deutschland.

die meisten der alt-deutschen einwanderer sind seit generationen hier, also keine altnazis oder so. die gibts aber auch.

genau genommen gab es mehrere einwanderungswellen:

in den vergangenen jahrhunderten die deutschen, die eine bessere zukunft suchten und aus dem kriegsverseuchten europa heuraus wollten.

später auch glaubensgemeinschaften, die in europa so nicht geduldet wurden.

nach '33 flüchtlinge vor den nazis, nach '45 flüchtige altnazis.

heute vor allem steuerflüchtlinge und aussteiger.

im süden gibt es also städtchen mit namen wie hohenau und rheinland 2. in der nähe liegen die jesuiten-reduktionen, in denen die jesuiten früher die guaraní-indianer sammelten und "zivilisierten", d.h. ihnen landbau und hausbau beibrachten und sie missionierten, um sie vor den spanischen sklavenjägern zu schützen. als sie zu mächtig wurden, warf der spanische könig die jesuiten raus, die reduktionen zerfielen und die indianer gingen wieder in den wald.

in Asunción, der hauptstadt Paraguays blieb ich nicht lange - eine kleine verschlafene hauptstadt eines verschlafenen landes.

Ciudad del Este im äußersten osten des landes (im dreiländereck paraguay - brasilien - argentinien in der nähe der berühmten Iguazú-Wasserfälle)   ist die schmugglerhauptstadt der welt - die einzige gegend des landes, wo man sich nicht wirklich sicher fühlt, schon gar nicht nachts.  (im übrigen land hat man auch nachts gemeinhin keine probleme.)

es gibt einen ort mit namen "nueva germania". den habe ich natürlich aufgesucht, weil man mir gesagt hatte, dass hier die ganzen deutschen rassisten leben, die keinerlei vermischung mit den einheimischen dulden.
dort angekommen, fand ich gerade noch zwei deutsche familien, alles andere waren paraguayer..

ein alter herr erzählte mir seine geschichte:
er war kein altnazi, sondern hier geboren. sein großvater war in den 1870'er jahren ausgewandert mit einer nitzsche-bewegten gemeinde, denen schon damals deutschland viel zu durchmischt war und die ein neues reinrassiges "germanien" dort mitten im urwald gründen wollten.
die siedler aber starben wie die fliegen an krankheiten, arbeiteten nicht zusammen und zerstritten sich. viele zogen wieder weg, der gründer beging selbstmord. heute gibt es kaum eine durchmischtere deutsche kolonie als nueva germania...

westlich des río praguay fährt man viele stunden durch den chaco, eine weitgehend unbesiedelte dornbuschwildnis. bis man unvermittelt durch kleine saubere deutsche dörfchen fährt. die hauptorte dieser kolonien deutschstämmiger mennoniten heißen fernheim und neu-halbstadt. diese mennoniten (nach dem calvinistischen kirchenreformer simon menno) haben eine wahre odyssee hinter sich: ihre holländischen vorfahren legten auf einladung des alten fritz die odersümpfe trocken. im gegenzug garantierte ihnen der preußische könig gewisse privilegien, z.b. brauchten sie als absolute pazifisten nicht zum militär. als spätere könige sie dennoch für ihre kriege einziehen wollten, hat die russische zarin katarina sie in die ukraine geholt, wo sie auch genügend sümpfe trockenlegen konnten, bei gleichen privilegien. nach der revolution aber war es vorbei mit religion und pazifismus, da mussten die mennos fliehen oder kamen nach sibirien. so gingen sie ab 1927 nach kanada, die usa und eben nach paraguay, in eine gegend, wo die zivilisation sie so schnell nicht einholen sollte.

hier haben sie nun in den vergangenen 75 jahren in kollektivarbeit ein blühendes gemeinwesen geschaffen. auch den indianern der umgebung haben sie zu menschenwürdigem leben verholfen, ohne sie zu missionieren. sie sprechen nach wie vor ihr deutsch, und was noch witziger ist: sogar die indianer sprechen deutsch! na gut - es ist plattdeutsch, aber hättet ihr hier mitten im wilden herzen südamerikas mit plattdeutsch sprechenden indianern gerechnet..???

die mennoniten hier im chaco sind heute modernem leben gegenüber durchaus aufgeschlossen.

ich fand allerdings auch konservative menno-gemeinden, in denen noch mit pferdewägelchen gefahren wird mit rädern ohne gummireifen, alkohol und tabak strikt tabu sind und von sonnenauf- bis sonnenuntergang gearbeitet wird, ohne je ein fest zu feiern. denn die erde ist das jammertal, die belohnung kommt erst hinterher.   na gut - wenn man so lebt, ist die erde ja auch wirklich ein jammertal...

diese konservativen vermischen sich nicht mit anderen kolonien, schon gar nicht mit paraguayern. entsprechend inzüchtig sind sie inzwischen: die meisten (eigentlich alle..) hatten diesen für inzucht typischen leicht dämlichen gesichtsausdruck, und so redeten sie auch.   also trotz (wegen!!) reinster reinheit keine Überlebenschance....

weiter wollte ich den río paraguay hinauf in den pantanal, ein sumpfgebiet im paraguayisch-bolivianisch-brasilianischen grenzbereich mit der höchsten tierpopulation amerikas. da wurde es aber schnell eng: nur absolut verdächtige seelenverkäufer tuckern den río hinauf in diese urwaldsümpfe, die in paraguay noch überhaupt nicht erschlossen sind. (in brasilien schon..) die grenzen im urwald sind angeblich dicht gemacht wg. narcotraficos, also drogenbanden. ich hatte leider nicht genug zeit, mich von der undurchlässigkeit der grenze zu überzeugen, denn hätte es gestimmt, hätte ich dort im urwald wg des geringen verkehrs 2 wochen gebraucht, bevor ich wieder rausgekommen wäre: das schiff fährt hin und zurück eine woche, aber ich hätte ja zwischendurch auf das rückschiff auch eine woche warten müssen...

soviel zeit hatte ich nicht. es gab auch sonst kein durchkommen nach bolivien durch den chaco - zu schlecht die straßen in der regenzeit. schließlich blieb ich so lange dort hängen, dass ich sogar den flieger nach deutschland zu verpassen drohte und eine woche verlängern musste. erst vorgestern bin ich dann aus buenos aires zurück gekehrt.

Fazit: Paraguay ist ein hochinteressantes land mit zumeist sehr netten einwohnern. aber es ist touristisch absolut nicht erschlossen, ich habe dort auch keine anderen touristen gesehen. somit fehlt bislang ein organisierbarer zugang. dennoch werde ich bei anderer gelegenheit versuchen, den bogen zu schlagen von den iguazú-wasserfällen durch den chaco, durch den pantanal bis nach bolivien und dann hoch in die anden. das wäre schon eine interessante, aber wirklich abenteuerliche sache. in garantierter kleingruppe... ;-)

so, ich hoffe, das hat euch ein wenig interessiert.

alles gute wünsche ich euch und grüße euch ganz herzlich aus Berlin

Thomas
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