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Erkundungs-Expedition in die Dominikanische Republik
im November 2014
1. erster Eindruck 2. Zentralkordilere 3. Nordküste 4. Samaná
Samstag 1.11.14 DOMINIKANISCHE REPUBLIK: erster Eindruck aus Boca Chica
liebe leute,
wird zeit dass ich mich aus der dom-rep melde - sonst glaubt noch jemand, ich sei verschütt gegangen. hier hab ich aber nur kein internet im hotel, und im restaurant kann man ja nicht ewig hocken bleiben..
dies ist nun also der erste bericht aus der dominikanischen republik, "cubas schwesterinsel ohne sozialismus". ich bin schon lange gespannt, wie diese mentalitätsmäßig und ethnisch ähnlichen inseln sich aufgrund der revolution in cuba nun im detail unterscheiden.
also: ich bin gut eingetroffen, nach zwei flügen aus guatemala vía panamá, und hab erst mal ein hotel am strand von boca chica genommen. dieser strand liegt näher am flughafen als die hauptstadt (die ja eigtl. angeflogen wird), und wurde mir als besuchenswert beschrieben. aber hier muss ich mich wohl erst ein wenig einleben, denn wer dachte, die cubanischen "jineteros" (schlepper) seien nervig, der war halt noch nicht in der domrep: nerviger als moskitoschwärme kann man keinen schritt tun, ohne ungewünschte "hilfe" von den hiesigen "figones" angetragen zu bekommen. auf meine frage, warum es hier so viele schlepper gibt - deutlich mehr als in cubas touristenzentren - erklärte man mir das mit der größeren "freiheit", die hier herrsche (man DARF halt nerven..). na ich hab den eindruck, es ist die größere armut, die die ganzen ungelernten arbeitslosen auf die straße und an den touristen zwingt..
denn das ist schon mal der erste unterschied zu cuba, der ins auge springt: eine protzige oberschicht, die in dicken SUVs rumfährt und gnadenlos den gehweg zuparkt - daneben armutsviertel mit elendshütten, die es so in cuba eben NICHT gibt. aber noch habe ich nicht allzuviel gesehen - mal schauen ob sich dieser eindruck noch etwas relativiert. immerhin komme ich grad aus dem auch nicht auf rosen gebetteten zentralamerika..
zudem kollidiert mein wunsch, die ergebnisse der zentralamerika-erkundungen beizeiten zu erfassen, solange die erinnerungen noch frisch sind, mit dem gleichzeitigen wunsch, diese insel hier ebenfalls angemessen zu erkunden. leider hat der tag nur 24 stunden - ich brauche grad mindestens doppelt so viel..
na mal sehen, wie es sich ergibt: demnächst in diesem theater - bis dahin sonnnige grüße aus der realen karibik fern der allinclusive-bettenburgen, thomas :)
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Freitag 7.11.14 DOM-REP: Landesinnere - Cordillera Central
liebe leute,
nun bin ich schon seit einer woche auf dieser insel und habe bereits etwas überblick erhalten:
die letzten tage habe ich mich von der südküste kommend über die gebirgige cordillera central bis zur nordküste durchgeschlagen. relativ bequem zwar (mit mietwagen), aber auf teils abenteuerlichen routen, die ich hier so gar nicht erwartet hätte.
überhaupt ist die insel weniger entwickelt als ich gedacht habe: apostrophiert als cubas schwesterinsel ohne sozialismus, ging ich mit typisch westlichem vorurteil ganz automatisch davon aus, dass die dom-rep entwickelter sein müsse als cuba, wo man sich ja immer in die 50'er jahre zurück versetzt fühlt. aber abgesehen vom "entwickelteren" verkehrschaos in den verbauteren großstädten der dom-rep scheint mir oft ganz im gegenteil eher cuba weiter entwickelt, zumindest auf dem land - hier sehen die dörfer oft ganz verzweifelt ärmlich aus: auf dem land windschiefe modrige holzhütten mit löchrigen grasdächern, schlammige wege und natürlich weit und breit weder schule noch medizinposten. in den städten bettelnde kinder auf den straßen, die unbedingt meine trekkingsandalen putzen wollen; an ampeln werden meinem wagen ständig die scheiben ungewünscht geputzt; und abends stöckeln scharen von halbverhungerten bordsteinschwalben durch bars und gassen auf der suche nach etwas zubrot.
auf meiner fahrt durch die berge sehe ich aber auch dutzende von kindern in schuluniform nach hause schlendern - allerdings arg weite wege entlang der landstraße, wo kaum autos vorbei kommen und auch keine busse fahren (was ich bislang für ein typisch cubanisches phänomen hielt, wo aber wenigstens jedes dorf seine eigene schule hat). bei solchen gelegenheiten passen in so einen mietwagen dann schon mal locker acht leute.. ;)
im innern ist die insel durchweg grün und teils noch dicht bewaldet, teils allerdings auch übel "raubgebaut" - amerikanische holzkonzerne können hier noch relativ frei walten und fällen, und die wachsende bevölkerung brandrodet sich auch immer weiter in die berge hinein. trotzdem gibt es noch reichlich schöne ecken und regenwälder, die heute auch in einigen nationalparks geschützt werden. zudem stehen in der cordillera central mit knapp über 3.000 metern die höchsten berge der karibik. das klima in den bergdörfern ist recht frisch und sehr angenehm, wenn man gerade aus den heißen tropischen tiefländern kommt. die täler sind mit zuckerrohr- oder blumenplantagen bebaut, auf denen schwarze arbeiter schuften wie zu sklavenzeiten (und unter verdammt ähnlichen bedingungen).
diese bilder bekommen die all-inclusive-urlauber in ihren umzäunten reservaten an den küsten mit herrlichen weißsandigen stränden natürlich nie zu gesicht, und es wird ihnen auch dringend abgeraten, sich auf eigene faust ins landesinnere zu begeben, da dies angeblich gefährlich sei. nun gut: jeder urlauber trägt mehr geldwert mit sich rum, als manche einheimischen je erwirtschaften - da läge der gedanke an eine gewisse umverteilung evtl. nahe. aber auch wenn ich mich in manchen stadtvierteln auch lieber nur kurz aufhalte: alle einheimischen, die ich treffe bzw. anspreche, vor allem auf dem land, sind äußerst (!) freundlich und hilfsbereit. daher denke ich: man will wohl eher vermeiden, dass den touristen das sorgsam gepflegte bild vom karibik-paradies ramponiert wird, wenn sie die lebenswirklichkeiten außerhalb der zäune zu gesicht bekommen..
immerhin habe nun auch ich begriffen, dass man seinen reisestil (insbesondere den gruppen-reisestil) dem jeweiligen land anpassen muss und man mit den vergleichen - so aufschlussreich sie sein mögen - manchmal nicht weiter kommt: während man entgegen aller vorurteile in cuba eigentlich überall frei herumreisen kann und selbst in kleinen, aber stets pieksauberen dörfern gern auch privat bei einheimischen in deren casa particular (privathaus) unterkommen kann, geht das in der dom-rep überhaupt nicht, schon aus hygienischen gründen. zudem würden sich die hotelkomplexe solche konkurrenz verbitten. und anhalter mitzunehmen ist in cuba immer ein angenehmes erlebnis, in der dom-rep grundsätzlich riskant.
ich verstehe also durchaus, warum sich hier der abgesperrte all-inclusive-urlaub so durchgesetzt hat, und sehe auch, dass wir hier sehr viel mehr mit veranstalterpaketen arbeiten müssen als anderswo. diese pakete können wunderschöne angebote beinhalten, wie wanderungen (oder raften, reiten, mountainbiken etc) durch die wälder zu wasserfällen und berggipfeln, oder schnorcheln und tauchen an einsamen traumstränden. aber wer mich kennt, weiß, dass ich es mir nicht nehmen lasse, uns auch die wahren lebensumstände der einheimischen anzutun und einblick und verständnis für ihre lage zu vermitteln - freilich bei netten menschen, denen auch unsere sicherheit am herzen liegt. daran arbeite ich..
bis zum nächsten mal, ganz liebe grüße zurzeit aus puerto plata (nordküste), thomas :)
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Dienstag 11.11.14 DOM-REP: Nordküste und Halbinsel Samaná
liebe leute,
nach kurzer redaktioneller überarbeitung des letzten berichts über die lebensbedingungen der einheimischen will ich hier mit dem bericht über meine erkundungen in der dominikanischen republik fortfahren:
inzwischen habe ich die gesamte nordküste erkundet und konnte auch die reste der ersten, noch von kolumbus persönlich gegründeten stadt la isabela besuchen, der ersten europäischen neugründung auf dem amerikanischen kontinent. das städtchen wurde aber schon wenige jahre nach seinem aufbau an der nordküste zugunsten santo domingos an der südküste aufgegeben, so dass man heute dort in verlassenem gebiet interessante funde machen kann.
puerto plata (der "silberhafen") verdankt seinen namen der tatsache, dass hier im damals abgelegenen, schwer kontrollierbaren norden piraten unterschlupf fanden und ihre beute teilten (und angeblich hier auch versteckten). es gibt verschiedene noch recht originale fischerdörfer sowie von weltenbummlern oder weltklassesurfern entdeckte und beeinflusste strände, endlose kokospalmenwälder und viel authentisches dominikanisches leben am straßenrand.
inzwischen habe ich die halbinsel samaná erreicht, wo es langsam richtig idyllisch wird: hier, wo einst siedler von den kanarischen inseln und befreite sklaven aus den us-südstaaten sich ein neues leben aufbauten, gibt es noch die von uns so sehr gesuchte pralle natur mit paradiesischen stränden in versteckten buchten, die in einem fast unwirklichen licht flirren und jeden noch so farbig-kitschigen karibik-traum unversehens wirklichkeit werden lassen.
ich spüre: endlich bin ich auch seelisch hier angekommen (mein körper war halt schon mal vorausgereist.. ;) und kann mir nun täglich besser vorstellen, auch hier ein in jeder hinsicht sinnvolles und ertragreiches programm aufzulegen, welches unseren freundeskreisgruppen zugleich wertvolle erkenntnisse wie auch echte erholung bieten kann.
die letzte woche meiner diesjährigen erkundungsreise ist angebrochen, und ich habe noch viel vor - darüber werde ich dann im letzten blog noch einmal berichten. bis dahin ganz liebe grüße aus samaná, wo im frühjahr die wale direkt vor der küste kalben, thomas :)
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Montag 17.11.14 DOM-REP: Süden - sowie Fazit und Abschluss der Erkundungsreise
liebe leute,
die zeit ist um, ich bin zurück in boca chica an der südküste nähe flughafen und werde in wenigen minuten den flieger richtung d-land besteigen.
die letzten tage waren noch einmal interessant und ertragreich:
auf der halbinsel samaná erkundete ich dichte dschungel und einsame strände, und habe für uns wohl das schönste hotel der ganzen insel ausgeguckt: an einem versteckten bilderbuchstrand der halbinsel gelegen, ist es diesmal keine rustikale bambusromantik wie auf koh jum (thailand), sondern ein niedliches, dabei komfortables (hier typisches) pastellfarbenes viktorianisches holzhaus mit erkern und eingebautem café - so ein hübsches puppenstübchen habe ich wohl noch nie im programm gehabt. die besitzer sind ein sehr nettes französisches paar, dass seine gäste abends aufs allerleckerste bekocht, auch wenn in einiger entfernung am strand auch eine echte karibische piratenbar tagsüber ebenfalls frischen fisch und kühles bier anbietet. mindestens ein programmfreier tag zum genießen dieser idylle ist bereits fest eingeplant.. :)
die rückfahrt nach süden ging durch das grüne dominikanische hinterland und den los-haitises-nationalpark mit bizarren kalksteinstrukturen. keine einzige stadt lag an der neuen autopista, und natürlich musste exakt hier abseits jeder zivilisation der bislang problemlos vor sich hin schnurrende mietwagen bocken und mich mit gleich zwei reifenpannen beschäftigen. mit etwas glück im unglück traf ich aber beide male auf hilfsbereite einheimische, die mich mit dem platten rad auf ihrem motorrad bis zur nächsten reifenflickstation - die es hier überall gibt, da reifen grundsätzlich bis zum platzen gefahren werden - brachten.
an der südlichen verbindungsstraße von santo domingo nach boca chica schloss sich dann der kreis meiner erkundungsreise. von hier aus kann man herrliche ausflüge zu vorgelagerten inseln zu den landesbesten stränden und in traumhafte schnorchelreviere unternehmen.
die letzten tage verbrachte ich jetzt vornehmlich mit dem erfassen all der gesammelten infos und dem erstellen eines möglichen programms, welches uns die schönheiten (und realitäten) dieser insel in einer zweiwöchigen rundreise nahebringen kann, wobei erkenntnis und reiner urlaub vom feinsten sich die ausgewogene waage halten. inzwischen bin ich also davon überzeugt, dass man hier sehr wohl ein ausgezeichnetes reiseziel hat, welches sich mit großem persönlichen gewinn bereisen lässt: das land ist wunderschön, die dominikaner ein fröhlicher, aufgeschlossener und spontan hilfsbereiter menschenschlag, und die widersprüchliche realität einer postfeudalistischen gesellschaft ist zumindest auch ein äußerst aufschlussreiches studienobjekt.
in zwei tagen werde ich berlin erreichen und dort gerade zwei wochen bleiben, bevor ich die bis dahin hoffentlich trockene wäsche wieder in den koffer werfe und nach südostasien aufbreche, um dort mit phet den jahreswechsel zu verbringen und die dortige winterreise im kommenden januar in trockene tücher zu bringen. es wird hier also schon bald weiter gehen mit spannenden berichten.
alles gute nach hause zurzeit grad noch aus sonnigen 25 grad blauer himmel (heul..), thomas :) nach oben
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