Reisetagebuch  Peru - Bolivien 2010

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Peru 1; Bolivien; Peru 2allein

Reisetagebuch der

Freundeskreisreise Peru - Bolivien 5.09. - 2.10.10
 

So.  5.09.10       lima: alle gut eingetroffen

liebe leute,
nachdem nun meine inzwischen volljaehrige tochter thabi und ich seit zwei tagen hier in lima die diesjaehrige peru-bolivien-gruppe konkret vorbereiten konnten, ist heute eben diese gruppe vollzaehlig und mit saemtlichem gepaeck wohlbehalten hier eingetroffen. muede aber gluecklich nach langem ruhigem flug zogen wir ins zentral gelegene altehrwuerdige granhotel bolívar ein und unternahmen selbstredend noch einen kleinen stadtbummel durch das abendliche lima. fussgaengerzone und hauptplatz mit praesidentenpalast und kathedrale praesentierten sich im schoensten abendlichen lichterglanz, und schliesslich kehrten wir auf einen absacker noch in die wohl pittoreskeste bar von ganz altstadt-lima ein:  in grossen karaffen liessen wir uns pisco sour vom feinsten schmecken -  das zeug machte sogar ganz muede reisekrieger noch einmal munter..  ;-)

inzwischen sind alle im wohlverdienten tiefschlaf: 7 stunden zeitverschiebung machten den tag zu einem der laengsten tage dieses lebens; und zu einer zeit, wo man in d-land (ungern) schon wieder ans aufstehen denkt, geht man hier grad erst in die falle..  

morgen werden wir uns das sonntaegliche lima antun, welches erheblich lebhafter ausfaellt als in d-land, da es hier trotz grosser katholizitaet keine ausgemachte sonntagsruhe gibt. so werden wir neben der altstadt auch die groesste china-town lateinamerikas besuchen sowie die pazifischen vororte miraflores einschl. kuenstlerviertel el barranco,
bevor wir uns montag sehr frueh auf den weg nach nazca machen, um dort die beruehmten linien im wuestenboden zu erforschen. 
aber das ist dann eine eigene geschichte..

fuer heute bleibt festzustellen, dass alle teilnehmer wohlbehalten eingetroffen sind und unser abenteuer nun beginnen kann !!

vorerst aber "gute nacht" und ganz liebe gruesse aus dem "prima klima von lima",
thabi, thomas  und die la palma explorers  :) 
 

Do.  9.09.10       Paracas-Halbinsel  - Ica  - Nazca

liebe leute,
inzwischen sind wir schon ein paar tage im land unterwegs und haben manches abenteuer hinter uns: 

nachdem wir montag früh lima verlassen hatten, erreichten wir gegen mittag die paracas-halbinsel, wo wir einen schnellboot-ausflug in die blauen weiten des pazifiks unternahmen: es ging hinaus zu den islas ballestas, einigen felseninselchen 12 seemeilen vor der küste, die ein vogelparadies sind und "klein-galapagos" genannt werden.  tausende von guano-scharben, kormoranen, nazca-tölpeln, pelikanen und den putzigen kleinen humboldt-pinguinen produzieren hier fleißig den wertvollen guano-dünger, also vogel-mist, der die felsigen eilande weiß leuchten lässt und alle paar jahre von geruchsunempfindlichen arbeitern abgebaut wird. auch einen kolonie seelöwen fühlt sich in den klippen wohl..

später besuchten wir in ica ein kurioses museum: die weltweit einzige "stein-bibliothek", in der tausende von gravierten steinen zu bestaunen sind. sie sind alle in der gegend in alten gräbern und höhlen gefunden worden und angeblich tausende von jahren alt.  sie zeigen neben profanen alltagssituationen auch menschen gemeinsam mit dinosauriern, fantastische medizinische operationen und weltkarten der kontinente in früheren stadien -  angeblich zeugnisse einer anderen, bislang nicht nachgewiesenen früheren menschheit und zivilisation..  

das passte zu unserem nächsten ziel  - den mysteriösen linien von nazca:  abends erreichten wir den kleinen wüstenort, um am dienstag morgen mit kleinen flugzeugen (6-sitzer) über der weiten wüstenebene die berühmten geoglyphen (erdzeichen) mit vielen riesigen, nur aus der luft in ihrer gesamtheit zu überblickenden figuren und kilometerlangen exakten geometrischen linien zu bestaunen. die bedeutung dieser linien ist nach wie vor unbekannt -  die einheimischen sind seit eh und je überzeugt, dass sie von außerirdischen veranlasst wurden, auch wenn sie uns nach augenschein als ufo-landbahnen äußerst ungeeignet erscheinen..

nachmittags brachte uns unser bus mit einem einheimischen archäologen als führer auf unwegsamen wüstenpisten nach cahuachi, der ehemaligen hauptstadt der nazca-kultur und wohl größten lehmziegelstadt der welt. auf 24 quadratkilometern erstrecken sich die pyramiden und tempelanlagen aus luftgetrockneten adobe-lehmziegeln, die meisten von ihnen unter jahrtausende alten sandschichten verborgen, erst ca. 1% sind ausgegraben. 

auf dem weg durch die wüste sahen wir immer wieder knochenübersäte aufgebrochene gräberfelder, wo grabräuber über jahrhunderte hinweg mumiengräber geöffnet und die wertvollen grabbeigaben gestohlen haben. die verstorbenen der alten kulturen mumifizierten im trockenen wüstenklima und blieben so der nachwelt erhalten.

heute setzten wir unseren weg entlang der küstenwüste fort:  aus den wissenschaftlich präparierten gräbern von chauchilla grinsten uns gut erhaltene uralte mumien an. da die wüste vor jahrmillionen der grund eines urmeeres war, bewunderten wir bei sacaco walgerippe und die erhaltenen zähne von megalodonten, riesenhaften urhaien.

inzwischen haben wir die küste verlassen und befinden uns in arequipa, der "weißen Stadt", gebaut aus einem weißen vukanischen tuff (sillar). die stadt gilt als schönste perus und liegt angenehm temperiert auf 2.400 metern höhe meist unter strahlend blauem himmel. genauer werden wir sie morgen erkunden, bevor es dann nach bolivien geht. 

ihr werdet von uns hören -  bis dahin alles gute und ganz liebe grüße aus peru,
thomas
                                                                                                                
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Mo. 13.09.10       Peru: Arequipa /  Bolivien: La Paz -  Yungas

liebe leute,
hier erreicht euch ein erster gruss aus bolivien, genauer aus la paz, der auf ca. 4.000 m hoechstgelegenen hauptstadt der welt. 

das sonnig-warme peruanische arequipa liess eine erste hoehengewoehnung zu, wir erkundeten die weisse stadt mit der schoensten plaza perus und dem zentralen brunnen tuturutu, treffpunkt der arequipeños.  wunderschoene koloniale fassaden, freskenverziert in den relativ weichen weissen sillar-tuffstein geschnitzt, sowie eine ganze klosterstadt erkundeten wir: hier hatten sich vor 500 jahren die nonnen des sta.catalina-ordens einen ganzen stadtteil mit einer hohen mauer absperren lassen, und sie verschwanden quasi fuer jahrhunderte in klausur hinter diesen mauern.  erst 1970 wurde - aufgrund neuzugangs-mangels - ein teil der klosterstadt fuer die oeffentlichkeit zugaenglich gemacht, wo man jetzt also eine unveraenderte original-stadt des 16. jahrhunderts besichtigen kann.

eine lange tagesreise durch die westkordillere hinauf zum altiplano, dem auf 4.000 m gelegenen hochplateau zwischen west- und ostkordillere der anden, entlang des titicaca-sees (13 mal groesser als der bodensee und hoechster schiffbarer see der welt) ging es zur bolivianischen grenze, wo wir unseren peruanischen bus verliessen und das gepaeck ueber die grenzbruecke schieben mussten. nach einreise in bolivien fuhren wir mit bolivianischem bus und indianischem fuehrer namens victor hugo zunaechst nach tiahuanaco (oder einfach tiwanaku), den runinen einer vorinkakultur, die rund um den titicacasee fuer 3.000 jahre bestimmend war und so nach aegypten die weltweit laengste kulturdauer aufweisen kann.  hier besichtigten wir in riesigen tempelruinen die ausgegrabenen hinterlassenschaften: einige koloss-monolithe sowie das beruehmte sonnentor.

la paz liegt auf einer hoehe zwischen 4.000 und 3.200 m in einem tal der hier beginnenden ostkordillere, die hier mit ihren tief verschneiten 6-tausendern die fantastische cordillera blanca oder cordillera real bildet.  der aermste stadtteil el alto liegt noch oben im altiplano auf 4.000 metern, die besseren stadtteile dann in den tieferen lagen mit besserer (dichterer) luft.  wir wohnen im zentrum, direkt am zaubermarkt, also mitten im geschehen: indianerfrauen verkaufen an staenden krauter und puelverchen gegen alle moeglichen beschwerden wie boesen blick und aehnliches, getrocknete lama-foeten werden in den vier himmelsrichtungen eines hausfundaments eingegossen, um unglueck von den bewohnern abzuhalten. 

wir erkundeten die stadt entlang der trubeligen hauptstrasse el prado und liessen die kolonialen fassaden von congreso (parlament) und praesidentenpalast auf uns wirken, wo heute mit evo morales der erste indianer seit der spanischen eroberung /des letzten inkas ein amerikanisches land regiert.

gestern unternahmen wir einen ausflug in die yungas, die steile ostabdachung der anden nach amazonien hin. auf der beruehmt-beruechtigten "death-road", der angeblich gefaehrlichsten strasse der welt, die tatsaechlich schlicht atemberaubend in die schier senkrechten waende gebastelt wurde, wanderten wir eine weile mit grandioser aussicht in die immer gruener und waermer werdende natur hinunter  - ein wahres labsal fuer die augen nach einer woche wueste und sonnenverbrannter steppe. bei coroico, unserem wendepunkt, sahen wir coca- und kaffeplantagen in produktion:  coca wird als uraltes grundnahrungsmittel der ureinwohner von der neuen indianischen regierung gefoerdert, der anbau aber streng kontrolliert und die kokainproduktion, die die segensreiche (ueberaus vitamin- und mineralstoffreiche) coca weltweit in solchen verruf gebracht hat, erfolgreicher verfolgt und vermieden als in dem amerikahoehrigen kolumbien.

zurueck in la paz, geniessen wir heute einen freien tag mit bummeln und shoppen, denn so viel und guenstige auswahl an andinen kunsthandwerkserzeugnissen wie hier werden wir auf der reise nicht noch einmal haben. morgen sehr frueh starten wir dann richtung sueden, um in der einsamen kalten wildniss des suedlichen altiplano unter stahlblauem sonnigem himmel den groessten salzsee der erde zu besuchen. 

bis dahin ganz liebe gruesse zurzeit noch aus la paz, 
thomas
 

Sa. 18.09.10       Uyuni -  Potosí  - Sucre

liebe leute,
inzwischen erreicht euch unser gruss aus sucre, der verfassungsmaessigen hauptstadt boliviens, einer ruhigen stadt auf "nur" noch 2.800 m hoehe.

doch der reihe nach:
la paz veSArliessen wir richtung sueden und erreichten nach einer tagesfahrt durch die steppe des altiplano auf teils rumpeliger piste schliesslich uyuni, einen alten lama-karawanen-sammelpunkt mitten im nirgendwo, am rande des groessten salzsees der erde gelegen.

diese blendend weisse flaeche war unser ziel, die wir anderntags erkundeten:
wie mit einem schnellboot braust unser bus ueber die weisse ebene, 200 km im durchmesser, ohne jede mulde oder erhebung. mitten in der weissen wueste einige loecher: die ojos ("augen") des sees, wo aus der tiefe kohlendioxidhaltiges warmes wasser an die oberflaeche sprudelt.  die salzlauge soll aeusserst gesund fuer die haut sein, so dass meine mitreisende tochter thabi es sich nicht nehmen laesst, darin herumzu"plantschen" ;-)

spaeter erreichen wir das salz-hotel, einem komplett aus salzbloecken gebauten huebschen kleinen hotel, auf dessen terrasse man sich vorkommt wie im skiurlaub: alles weiss drumherum, darueber ein wolkenloser stahlblauer himmel, kalte luft auf 4.000 meter hoehe, aber in der sonne schoen warm durch die strahlungswaerme..

nach ca. einer stunde fahrt legt unser "schnellboot" im zentrum des salzsees am strand der insel inkahuasi (haus des inkas) an. riesige uralte kakteen erwarten uns auf der insel, die aelteste 12 meter hoch und ueber 1.000 jahre alt.  wir erkunden die insel, die aus gehobenen korallenriffen eines urmeeres besteht, von dessen austrocknung auch die salzseen der gegend stammen und dessen grund im lauf der jahrmillionen nun auf 4.000 meter gehoben wurde, als folge der suedamerikanischen plattendrift gen westen. am hoechsten punkt der insel liegt eine altarstelle zugunsten von pachamama, der mutter erde, die noch heute von den indianern der gegend verehrt wird.

nach einer wanderung ueber- sowie rund um die insel, wo wir fast wie jesus ueber das salzmeer jenseits der kueste laufen, mit tollen blicken auf die insel und in die unermessliche ferne, wo vulkane den rand des salzsees markieren  - von luftspiegelungen umschlossen, die die vulkane wiederrum wie schwebende inseln erscheinen lassen.. 

eine rasante fahrt zurueck bringt uns nach colchani, einen lehmhuettendorf am rande des salzsees, dessen bewohner seit urzeiten ausschliesslich vom abbau des salzes leben.  ein alter indianer erklaert uns den gewinnungsprozess  - am morgen hatten wir indianer auf dem see am verladen des gebrochenen salzes gesehen - hier wird das gehackte salz getrocknet, gemahlen, in 1-kg-tueten eingeschweisst, auf uralte lastwagen verladen und in die zivilisation versandt.  hier traeumt man auch bereits von einem etwaigen zukuenftigen reichtum durch die lithium-gewinnung, denn im salz sollen ca. 2/3 des weltvorkommens an lithium versteckt sein, welches die welt fuer die akkus der erwarteten elektroauto-industrie braucht..

eine weitere tagesfahrt fuehrt uns nun hinaus aus dem altiplano und hinauf in die ostkordillere der anden. in einem alten minendorf besichtigen wir die erste dampflok boliviens, die vor 150 jahren noch mit pferdewagen hinauf in die anden gebracht wurde, sowie die schon deutlich groessere dampflok, die ende des 19. jahrhunderts vom gaunerpaerchen butch cassidy und sundance kid ueberfallen und ausgeraubt wurde.  unser kurs fuehrt uns durch bizarr farbige steinwueste, zeichen fuer einen enormen bodenschatz-reichtum. 

am spaeten nachmittag erreichen wir potosí, die alte silberstadt am fusse des beruehmt-beruechtigten silberbergs cerro rico, einem rot leuchtenden kegel-berg in den weiten der ostanden. jahrhundertelang scheuchten und verschlissen die spanier ganze indianische dorfgemeinschaften in den stollensystemen dieses berges, der der welt den groessten silberschatz aller zeiten gab. heute arbeiten die indianer hier auf eigene rechnung, aber unter nach wie vor schier mittelalterlich anmutenden bedingungen.

natuerlich fahren wir in den berg ein: mit kopfschutz und stirnlampe sowie einer menge coca-blaettern fuer die minenarbeiter bewaffnet, erkunden wir im berg mit kompetentem fuehrer, einem ehemaligen bergmann, die stollensysteme einschliesslich eines pausenortes unter tage, wo die hier schuftenden indianer ihrem schutzheiligen, dem "tio" (onkel), der durch die vorstellungen der katholischen kirche mit hoernern und pferdefuss ungemein an einen teufel erinnert, aber eben in wahrheit den schutzgott der unterwelt darstellt, dem auch stets cocablaetter, alkohol und zigarretten geopfert werden muessen, damit er seiner aufgabe als beschuetzer der minenarbeiter nachkommen kann.

nach dieser geradezu existenziellen erfahrung unter tage machen wir uns auf den weg die ostabdachung hinab nach sucre, der "weissen stadt" boliviens auf mittlerer hoehe gelegen.  die arge hochlandkaelte liegt nun fuer einen augenblick hinter uns, allerdings ist es nur eine kurze pause, denn uebermorgen geht es wieder ins hochland zum titicacasee. hier nun erholen wir uns in angenehmem klima in einem huebschen tal bei sucre auf der hacienda huata, die von einem deutschen rentner-paar nach jahrezehntelanger taetigkeit in der entwicklungshilfe der region aus ruinen aufgebaut wurde und nun wunderhuebsche unterkunft in kolonialem ambiente bietet -  einschliesslich termalwassergespeistem pool und fruehstueck im kolibriumschwirrten garten.. 

heute frueh besuchten wir in der naehe eine interessante fundstelle von dinosaurierspuren: vor jahrmillionen fluechteten hier verschiedene dino-arten vor einem vulkanausbruch durch ein sumpfgebiet und hinterliessen diese spuren, die von der nachfolgenden vulkanasche ueberdeckt und konserviert wurden. bei auffaltung der anden geriet diese ebene in senkrechte lage und wurde von einer zementverarbeitenden fabrik "ausgegraben"; heute ist die flaeche geschuetzt und mit figuren der damals fluechtenden saurierarten lebensecht ausstaffiert -  ein wahrhaft spannendes ausflugsziel..

inzwischen haben wir einen stadtbummel hinter uns, und waehrend die gruppe weiter bummelt, arbeiten thabi und ich im internetcafé unsere post ab.  gleich geht es wieder hinab nach huata, wo wir morgen sonntag einen ruhigen tag mit kleiner wanderung durch die bolivianische bergwelt verleben werden, bevor es montag mit dem fruehflug wieder hinauf nach la paz und mit dem bus nach copacabana geht -  nein: nicht an den brasilianischen strand, sondern einen kleinen wallfahrtsort am titicacasee.  dort werden wir die isla del sol besuchen, eine insel im see, die den inka-entstehungsmythos symbolisiert.  aber davon mehr ein andermal..

uns allen geht es - abgesehen von einigen erkaeltungserscheinungen - im prinzip gut,
und so gruessen wir aus dem bolivianischen hinterland alle lieben daheim,

die la palma explorers,
sowie thabi und
thomas
                                                                                                                
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Sa. 25.09.10       Copacabana  - Puno -  Umweg über Nazca nach Cuzco

liebe leute,
soeben haben wir cuzco erreicht, die alte inka-hauptstadt  - nach einer busreise von 34 stunden (!) für im prinzip 450 km ausgebaute strecke puno-cuzco..!! 

doch wieder der reihe nach: 
nach einer wunderschönen und erholsamen zeit in huata flogen wir zurück nach la paz und reisten von dort per bus nach copacabana -  nicht an den strand nach brasilien, sondern an einen strand am titicacasee, der zwar sicher viel schöner ist als der von brasilien, aber das wasser des sees auf 3.800 m höhe ist nicht wirklich kuschlig warm  ;-)

wir unternahmen eine längere wanderung auf der sonneninsel im titicacasee, die den inkas heilig war und den heutigen indianern der umgebung immer noch, da hier der ursprungsmythos der inkas spielt:  von dieser insel stiegen sonne und mond in den himmel, und das erste inka-paar wurde vom schöpfergott viracocha in die welt gesetzt.  der felsen titicaca ("pumafelsen") gab dem see seinen namen. 

eine weitere busfahrt brachte uns über die grenze nach puno, dem größten peruanischen ort am see, von wo aus wir die see-indianer auf ihren schwimmenden inseln besuchten: die uros leben seit undenklichen zeiten auf aus schilf gebauten schwimmenden inseln im see, bauen aus dem schilf auch ihre boote und hütten auf den inseln.  heute freuen sie sich über touristen, die ihnen evtl. ein paar ihrer kunsthandwerke abkaufen, denn es gibt nicht so viele gelderwerbsquellen auf einem see..

dann kam die schlechte nachricht:
die wichtige verkehrsverbindung (bahn und straße) von puno nach cuzco wird seit tagen auf unbestimmte zeit von hochlandindianern blockiert, da die regierung ein wüstenbewäserungsprojekt mit dem wasser ihres ihnen auch noch heiligen flusses vilcanota realisieren will.  die indianer, die eh schon in erbärmlichen umständen leben, haben angst, dass sie nun auch noch ohne wasser bleiben, denn es reicht ja so schon nicht hinten und nicht vorn.  schon bei meiner letzten reise vor 2 jahren gab es deshalb streiks und blockaden, aber da die regierung sich weigert, mit den indianern ihre sorgen zu besprechen, verlegen sich diese immer mehr auf straßenblockaden.. 

nach abwägung aller möglichkeiten  - weder züge noch busse in den nächsten tagen für die 450 km lange strecke, freie plätze in flügen erst ab nächster woche -  entschieden wir uns notgedrungen zu einem umweg, der uns von anderer seite nach cuzco führte:  mit dem öffentlichen bus fuhren wir zunächst seit gesternnachmittag bis heute früh über arequipa zurück nach nazca, wo ich einen privatbus für uns organisiert hatte, der uns dort morgens um 6 abpasste und mit dem wir dann von nazca aus ins hochland nach cuzco fuhren, wo wir eben gegen mitternacht eintrafen. ca. 1.500 km in 34 stunden busfahrt auf kurvenreichen gebirgsstrecken liegen hinter uns, manch einer hatte das gefühl, das land nun besser kennen zu lernen als er es eigtl vorhatte, fantastische ausblicke eingeschlossen. nun fehlt uns ein tag in cuzco, den wir an unserem freien tag nach machupicchu nachholen wollen.

bei der organisation der alternativen tat sich meine mitreisende tochter thabi durch umsichtiges verhalten und mitplanen hervor, und die ganze gruppe wirkte tatkräftig und geschlossen daran mit, dass die unternehmung ohne weitere probleme gelang. (na gut: einen reifenplatzer hatten wir auch noch.. ;)

es ist nun spät, morgen früh geht es ins heiige tal der inkas nach pisac und ollantaytambo, von wo wir morgen abend planmässig den zug nach machupicchu nehmen.  also erst mal ein erschöpftes "gute nacht" aus cuzco, ganz liebe grüße von allen, 
thomas
 

Di. 28.09.10       Heiliges Tal  - Machupicchu  - Cuzco

liebe leute,
soeben sind wir erschoepft aber gluecklich aus machu’picchu zurueck nach cuzco "heimgekehrt":

nachdem wir samstag die ungeplant lange busreise etwas ausgeschlafen hatten, machten wir uns auf den weg ins heilige tal der inkas, wo diese mais und kartoffeln in mengen kultivierten und zu hoechst widerstandfaehigen und unterschiedlichen sorten zuechteten. wir bestaunten die gewaltigen mauern aus bis zu 120 tonnen schweren granitquadern in saksayhuaman, dem oberhalb cuzcos gelegenen wohl eindruckvollsten inkatempel, und wanderten durch die wie ein adlerhorst ins gebirge gebastelte inkafestung pisaq. dort bewunderten wir die durchdachte planung der wasserfuehrung und -versorgung, und wanderten ueber steile treppen hinab uns heutige pisaq, einem kolonialen marktflecken am fuss des selben berges. 

abends schlenderten wir durch ollantaytambo, einer inkastadt, in der die uralten haeuser noch heute auf dem alten inkastadtplan beruhen;  erreichten den abendzug nach aguas calientes, dem zugangsort fuer machupicchu, und nahmen dort unterkunft in einem netten hotel nahe der thermen (oeffentliches heisswasser-freibad). 

am folgenden (gestrigen) morgen fuhren wir mit einem der ersten zubringerbusse hinauf nach machupicchu:  mysthisch, ja geradezu unheimlich schaelte sich die unzerstoerte inkastadt aus den morgennebeln und lag schliesslich im fruehen sonnenlich vor uns. unser fuehrer cosme cuba, ein quechua-indianer, erklaerte uns fast jeden winkel der stadt und ueberzog die ausgemachte fuehrungsdauer um eine volle stunde, ohne nachgeld zu verlangen (okay: das haben wir mit einem trinkgeld ausgeglichen ;-)

nachdem wir urbane und priester-stadt erkundet, sonnentempel und inkagrab, die heute noch funktionierende wasserversorgung und den steinbruch kennen gelernt hatten, blieb der rest des tages zur freien verfuegung, um nun auf eigene faust die uebrigen ecken durchstoebern zu koennen. 

einige erforschten also weiter die stadt, andere machten sich auf den weg zum intipunku, dem sonnentor am pass, wo der inkatrail nach machupicchu herein kommt, wieder andere wanderten zu einer inkabruecke, die haarstraeubend in eine 500 meter hohe senkrechte steilwand gebastelt ist.

zu dritt machten sich till, meine tochter thabi und ich uns auf den steilen weg hinauf zum huaynapicchu, den von jedem machupicchu-foto bekannten zuckerhutartigen hintergrundberg. der weg ist abenteuerlich steil und mit schmalen treppen in die schier senkrechten waende des berges eingepasst, wir kletterten ueber ausgesetzte stellen und krochen durch schmale tunnel, um schliesslich die hoechste spitze zu erreichen, die kaum drei leuten gleichzeitig platz bietet -  fantastische aussichten hinunter nach machupicchu sowie in die gruene bergwelt eingeschlossen, tief unter uns schaeumt der urubamba-fluss.. 

nach dem auch technisch anspruchsvollen abstieg hatte thabi der ehrgeiz gepackt, und sie hielt wacker durch, um nun auch noch die inkabruecke und das sonnentor zu erreichen. erst mit sonnenuntergang erreichten wir wieder aguas calientes, wo wir einige andere teilnehmer in den thermen wiedertrafen, um die mueden waden nach fast 10-stuendiger wanderung zu lockern..  ein gutes abendessen fuehrte die gruppe schliesslich wieder zusammen, und noch lange wurde ueber die abenteuer des tages schwadroniert..  :) 

heute nahmen wir den vormittaeglichen vistadome-panoramazug durch das urubamba-tal zurueck nach cuzco und erkundeten am nachmittag noch ein wenig die aeusserst interessante ehemalige hauptstadt des alten inkareichs, die wir zuvor ja wg. spaeter ankunft "verpasst" hatten.  nun sind wir gerade wieder auf den weg zum abendessen -  dem letzten im hochland, denn morgen fliegen wir hinunter nach amazonien, um uns in einer huebschen lodge am rio madre de dios im tiefland bei dicker luft und gutem essen verwoehnen zu lassen und mittels ausgesuchter urwaldwanderungen in die geheimnisse der gruenen hoelle (besser "gruene apotheke") einweisen zu lassen. 

wir hoeren voneinander,
bis dahin ganz liebe gruesse noch einmal aus cuzco, 
thomas (und thabi) 
 

Sa. 2.10.10      Amazonien  - Abschluss Peru-Bolivien-Gruppe 2010

liebe leute,

nun ist die gruppe schon auf dem heimflug, waehrend thabi und ich das wochenende noch in lima abwarten wollen, wie sich die lage in ecuador entwickelt, bevor wir uns dorthin auf den weg machen, denn am naechsten wochenende wollen wir  - sofern es planmaessig durchfuehrbar ist -  dort unsere familien- und freundesgruppe am flughafen in quito in empfang nehmen. 

die letzten tage konnten wir in einer wunderschoenen gemuetlichen amazonas-lodge am rio madre de dios hervorragend entspannen und uns in die geheimnisse der dampfenden gruenen urwaelder einweisen lassen.  einige hochinteressante wanderungen brachten uns die vielen heil- und gewuerzkraeuter naeher, auf einer paddeltour durch (natur-) kanaele und altwaesser beobachteten wir am ufer u.a. affen, papageien und hoaxins  - eine seltsame vogelart, deren junge noch krallen in den fluegelknicken entwickeln (aehnlich dem urvogel archaeopteryx), um sich bei angriffen von raubvoegeln vom nest ins wasser fallen zu lassen, wo sie eine weile tauchen, bis der angriff vorueber ist, und sie mithilfe der krallen ins nest zurueck klettern koennen.  im reichlich piranha-haltigen see trieben einige riesige mohrenkaimane (bis zu 6 meter lange schwarze kaimane), in deren beuteschema wir aber offenbar nicht passten, und auf einer nächtlichen bootsfahrt sahen wir im schein der taschenlampen reichlich die kleineren weißen kaimane und auch ein wasserschwein (größtes nagetier der welt, sieht aus wie ein riesiges meerschweinchen).  in einem indianerdorf lernten wir bogenschießen und töteten so mehrere reife papayas gleich mehrfach.. :)

mit solchen ausflügen und leckerem essen bestens erholt, traten wir gestern die rueckreise an, die uns zunaechst mit einem kleinen hochdecker aus dem amazonastiefland via cuzco ueber die anden zur pazifischen kueste nach lima brachte, wo wir die wenigen verbleibenden stunden bei einem guten kaeffchen und weltklasse-eis im flughafen verbrachten, bevor dann der check-in fuer den transkontinentalflug nach europa begann. es folgte der "traenenreiche abschied", die gruppe verschwand in der sicherheitskontrolle, und thabi und ich suchten uns ein taxi ins zentrum limas. 

hier wollen wir nun die aktuelle entwicklung in ecuador abwarten und anfang der woche nach norden zur ecuadorianischen grenze aufbrechen.  sollten bis dahin die grenzen wieder offen sein, werden wir rechtzeitig in quito sein, um dort die neue gruppe in empfang nehmen zu koennen.  die lage vor ort scheint sich nach dem gescheiterten putschversuch inzwischen stabilisiert zu haben, so dass einer reise aus heutiger sicht wohl nichts mehr im wege steht.  aber das werden wir beobachten und dann aktuell unsere einschaetzung an die ecuador-teilnehmer senden.

wer lust hat, mag hier im reisetagebuch unseren weiteren weg - mit und ohne gruppen - verfolgen, der uns bis ende des jahres noch bis feuerland und zurueck fuehren wird.  wir werden uns auch weiterhin hier in kurzen abstaenden mit aktuellen berichten und lage-einschaetzungen melden.

bis dahin bedanken wir uns fuer euer interesse und gruessen euch alle  - im augenblick natuerlich ganz besonders die nun heimkehrenden freunde unserer trotz einiger gemeinsam gemeisterter widrigkeiten rundum gelungenen peru-bolivien-gruppe - zurzeit noch aus lima,

thomas und thabi
                                                                                                                
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Mo.  4.10.10       Regionalwahlen in Peru  - Normalisierung in Ecuador

liebe leute,

gerade tobt vor unserem hotel an der plaza san martín im zemtrum limas eine große siegesfeier mit tausenden von begeisterten menschen: am heutigen sonntag fanden in peru die bürgermeister- und regionalwahlen statt, und in lima hat zum ersten mal die linke in person der menschenrechtsaktivistin susana villarán gesiegt  - ein historisches ereignis !!   nun harren die menschen hier aus und bewachen unter ständigen sprechchören das granhotel bolivar (in welchem auch unsere gruppen immer unterkommen), denn von hier aus hat susana gerade vom balkon zu ihren jubelnden anhängern gesprochen, und noch wird befürchtet, dass die konservativen den sieg manipulieren und letzlich nicht anerkennen könnten.

derweil hat sich die lage in ecuador inzwischen entspannt und wieder normalisiert:
nach dem gescheiterten umsturzversuch der vergangenen woche, bei dem die bei den letzten beiden wahlen untergegangene oligarchie einen streik eines teils der polizei wg. sparmaßnahmen im öffentlichen dienst ausnutzen wollte, um die ungeliebte regierung des beim volk um so beliebteren präsidenten rafael correa per staatsstreich zu beseitigen, sind inzwischen die kurzfristig geschlossenen flughäfen und grenzübergänge wieder geöffnet und der ausnahmezustand aufgehoben.  nachdem das volk aufstand wie ein mann, und auch das militär sich eindeutig auf die seite des erst vor kurzem mit gewaltiger mehrheit wiedergewählten präsidenten stellte, hatten die putschisten keine chance und gaben sehr schnell auf. damit sind die verhältnisse geklärt, und staatsstreiche zur korrektur unliebsamer wahlergebnisse gehören damit auch in südamerika hoffentlich endgültig der vergangenheit an..

jedenfalls können meine tochter thabi und ich nun morgen montag mit einer zweitägigen busfahrt die ecuadorianische grenze erreichen und problemlos einreisen, um schliesslich in quito unsere familien-sonderreise vorzubereiten, deren teilnehmer am kommenden wochenende dort eintreffen werden.

die nächsten tage wird hier also nix erscheinen, wir sind unterwegs.. 
bis später dann,
ganz liebe grüße noch aus dem seit heute aufbruchgestimmten lima, 
thomas und thabi

hier gehts weiter:
Fortsetzung: Ecuador - Familienreise                                                       nach oben

 

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